„Hergestellt in Italien“: Warum du bei Dosentomaten aufpassen solltest!

Tomaten aus der Konserve, Pilze im Glas oder Dosenmandarinen – verarbeitetes Obst und Gemüse stammt häufig aus China. Auf der Verpackung ist dies jedoch nicht zu erkennen, wie „Utopia“ berichtet. Wer daher in seinem eigenen Alltag Lebensmittel mit langen Transportwegen vermeiden will, sollte genau hinsehen.

Zum Beispiel bei Tomatenmark „hergestellt in Italien“… Dieses enthält dann sicherlich auch italienische Tomaten – oder nicht?

Ersteres sollte man meinen. Tatsächlich werden aber oft Tomaten aus China verwendet – und in Italien lediglich verarbeitet. Auf der Tube ist dies dann allerdings nicht genau vermerkt.

Nur bei frischem Obst und Gemüse sind die Hersteller dazu verpflichtet, das Herkunftsland von allen Produkten genau anzugeben – bei Konserven allerdings nicht. Hier kommen stattdessen oft nur vage oder missverständliche Angaben zum Einsatz, die echter Aufklärung nicht dienlich sind.

Wie „Utopia“ berichtet, lassen sich Tomaten in China deutlich günstiger produzieren als etwa bei uns in Europa. Die „SWR“-Verbrauchersendung „Marktcheck“ habe vor einigen Jahren bereits darüber berichtet, dass die Landwirt:innen dort teilweise nur einen Cent je Kilogramm Tomaten bekämen. In Europa seien die Preise dagegen um einiges höher – wobei Erzeuger:innen in Süditalien deutlich weniger pro Kilo bekämen als im Norden des jeweiligen Landes.

Harte Arbeitsbedingungen und Umweltbelastung

Die chinesischen Billigtomaten in Dosen, Gläsern und Tomatenmark-Tuben sind alles andere als unproblematisch. Warum? Um Tomaten so derart günstig produzieren zu können – wie es in China fabriziert wird – müssen dort sehr viele Menschen auf den Feldern und in den Fabriken im Akkord arbeiten. Diese Arbeiter:innen sind oft sehr schlecht bezahlt – und zusätzlich dann auch noch sehr schlecht abgesichert.

Die Landwirt:innen verteilen auf den chinesischen Plantagen des weiteren massenweise Pestizide und Fungizide – mitunter dann auch eben solche, die in der EU bereits verboten sind. Viele dieser Mittel belasten die Böden und Gewässer – und, sie schaden Insekten.

Spuren dieser Giftstoffe können sich in jenen Produkten aus China finden. Bis diese Tomatenprodukte in unseren Supermärkten letzten Endes landen, haben sie noch laut „Utopia“ lange, CO2-intensive Transportwege hinter sich – was eine zusätzliche starke Belastung fürs Klima bedeutet.

„Öko-Test“ wiederum habe bei der Untersuchung von Dosentomaten im Oktober 2023 festgestellt, dass nicht alle untersuchten Produkte frei von Bisphenol A seien. Das beauftragte Labor habe die gefährliche Chemikalie in mehreren Tomatenprodukten nachgewiesen; „Öko-Test“ wiederum habe diese Werte in Folge dessen teilweise als „stark erhöht“ eingestuft.

Wie du erkennst, wo Tomaten in den Dosen herkommen

Wer deshalb vermeiden möchte, Tomatenmark oder Dosentomaten aus China zu kaufen, muss sich die Verpackung genau ansehen: Wo kommen sie diesen Angaben entsprechend eigentlich her?

Hinweise wie „Hergestellt in Italien“ – oder auch „In Italien produziert“ – sind überhaupt nicht ausreichend, um diese Frage detailliert zu beantworten. Denn sie sagen alleinig aus, dass das entsprechende Produkt in Italien verarbeitet wurde – mehr aber nicht… Die Tomaten können insofern dann trotzdem auch aus China stammen.

Steht im Gegenzug „100 Prozent italienische Tomaten“ auf der Packung, müssen die Tomaten aus Italien stammen.

Ist auf der Verpackung eine italienische Flagge oder eine Beschreibung wie „echt italienisch“ zu sehen, muss die Hauptzutat der Tomaten laut der EU-Lebensmittelverordnung aus dem direkt angegebenen Herkunftsland stammen.

Sollte sie woanders – außerhalb Italiens – herkommen, muss der Hersteller dies dementsprechend kennzeichnen… Der Hersteller ist aber leider nicht dazu verpflichtet, ein spezifisches Land zu nennen – hier reicht dann tatsächlich der Hinweis „aus Nicht-EU-Ländern“ – oder „EU und Nicht-EU“ – völlig aus.

Bei Bio-Produkten wiederum lohnt es sich, einen genaueren Blick auf das EU-Bio-Siegel zu werfen. Dieses erkennt ihr an einer grünen Farbe. Steht unter diesem Siegel der Zusatz „Italien-Landwirtschaft“, stammen die Erzeugnisse auch tatsächlich von dort. Heißt es aber „Nicht-EU-Landwirtschaft“, stammen die Tomaten aus einem anderen Land von außerhalb der Europäischen Union – womöglich also aus China.

So oder so müssen alle Tomatenprodukte mit einem EU-Bio-Siegel nach EU-Vorschriften erzeugt worden sein. Bestimmte Pestizide kommen dadurch dann auch definitiv nicht zum Einsatz.

Noch mehr Obst und Gemüse aus China

Neben „Industrietomaten“ exportiert China den Angaben von „Utopia“ zu Folge jede Menge anderes Obst und Gemüse nach Deutschland, das hierzulande in Konserven, Gläsern oder Tiefkühlmischungen verkauft wird. Besonders erfolgreich sind auf diesem Weg zum Beispiel Mandarinen aus der Dose – aber auch anderes konserviertes Obst und Gemüse wie zum Beispiel Pilze kann aus China stammen. In der Regel ist auch hier überhaupt nicht klar, wo das Obst und das Gemüse eigentlich hergekommen sind.

Es muss nicht sein, dass für die Produktion von weit gereisten Lebensmitteln in den eigenen Herkunftsländern Menschen ausgebeutet werden. Die Umwelt leidet… Durch unser aller Einkaufsverhalten lässt sich dies vermeiden – und zwar so:

  • Koche, wenn es dir möglich ist, allein mit frischen Zutaten. Vermeide stattdessen verarbeitete Lebensmittel (oder aber auch zum Beispiel Fertiggerichte).
  • Ernähre dich möglichst immer regional und saisonal. Mit Obst und Gemüse, das hierzulande – oder im näheren europäischen Ausland – wächst.
  • Wenn es doch mal irgendein Lebensmittel aus der Dose oder auch im Glas werden sollte, immer darauf achten, nur ökologisch produzierte Produkte mit einem Bio-Siegel zu kaufen (idealerweise aus EU-Ländern).
  • Vieles kann im Sommer aus frischen Zutaten auch selbst hergestellt werden – und auch, dementsprechend aufbewahrt. Zum Beispiel, explizit Tomatenmark und passierte Tomaten.

Weitere Informationen

Dieser Artikel erschien zuerst in einer leicht veränderten Form auf utopia.de. Er wurde für „lebenslust-online.de“ ein wenig umgeschrieben und angepasst.

Hinweis zur Grafik oben: Diese Grafik wurde von einer KI generiert.