Neuer TikTok Trend: „Ikki“ im Internet

„#metoo“ war nie weg: Tausende Nutzer:innen teilen zur Zeit zum Sound der Rapperin Ikkimel Missbrauchserfahrungen.

Dies ist eine sehr packende Geschichte, die allen anderen von Missbrauch betroffenen Personen neuen Mut schenken soll.

Provokante Texte, die innerlich berühren

Ikkimel, oder auch „Ikki“, provoziert. Und das tut sie mit Absicht. Denn ihre Texte sprechen aus, was Andere vielleicht denken; aber niemals selber irgendwie aussprechen würden. Weil sie sich nicht trauen… So kommen Abgründe des alltäglichen Lebens ungeschönt ans Licht, die viel zu oft verdrängt werden: Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Frauen.

Die Musikerin und Künstlerin bricht ein innergesellschaftliches Tabu. Dadurch, dass sie dieses Thema, worüber doch bitte nicht gesprochen werden soll, in den Mittelpunkt ihrer eigenen Songs offen stellt. Sie kreiert durch ihre unbequeme Weise einen neuen TikTok-Trend.

In „Who’s That“ rappt sie ohne Gnade: „Nach sieben Wodka Soda weiß ich nicht mehr, wie ich heiße, aber du schon, du Hurensohn.“ Sie ist echt. Eiskalt. Sorgt für einen absoluten Stich ins Herz bei jedem, der sie hört. Erträgt. Bewundert.

Diese Frau hat tatsächlich was zu sagen. Sie ermutigt durch ihre eigene Offenheit Andere, es ihr gleichzutun. Auch – ganz so wie sie selbst – aufzustehen. Sich nicht mehr unterkriegen zu lassen.

Betroffene berichten über eigene Erfahrungen

Betroffene machen genau das. Wie taz.de berichtet, teilen tausende von ihnen ihre selbst gemachten Missbrauchserfahrungen hinsichtlich von Übergriffen, K.-o.-Tropfen, Grooming oder Missbrauch. Die Täter ihrer vielen Geschichten sind in der Regel Männer, die oft älteren Alters sind – und jeweils versuchen, ihre patriarchale Machtposition den Frauen gegenüber ausnutzen.

„Ikkis“ Texte verlangen einiges ab: „Ich war 13, du 24. Ich hätte es nicht ­besser wissen können. Aber du schon.“ Sie fragt: Warum können Männer trotz ihres Erwachsenenalters nicht verstehen, dass dreizehnjährige Personen schutzbedürftige Kinder und damit keine Sexobjekte sind? Was genau läuft falsch in den Gehirnen unserer Gesellschaft, dass diese Männer bis heute immer noch problemlos damit durchkommen, so zu handeln?

An anderer Stelle heißt es wiederum: „Drei Jungs schließen sich mit ihr im Klassenzimmer ein. Sie bringen sie dazu, sich auszuziehen.“ ­Kein anderer Partysong kann in vergleichbarer Art und Weise Projektionsfläche für eigene Traumata sein.

Denn hier wird offen veranschaulicht, worunter Frauen leiden. Darunter, dass sie selbst nicht ernst genommen werden. Dass sie nur nach äußerem Erscheinungsbild beurteilt werden. Es ist gut und wichtig, dass es endlich eine Stimme in der Welt des Entertainment gibt, die unzensiert ganz offen über derartige Erfahrungen spricht.

Das ist gefühlsecht. Absolut authentisch.

„Ikki“ will aufklären. Betroffene wiederum, die sie erreicht, berichten, dass sie erst durch diesen Trend jetzt wirklich richtig verstanden haben, wie falsch das von ihnen Erlebte tatsächlich war. Sie werden dadurch immerzu gewarnt sein, nie wieder die selben dummen Fehler zuzulassen.

Jene Fehler, die ihr Leben zerstören.

Schweigen und Runterschlucken sind vorbei

Die Rapperin schafft durch ihre sehr provokanten Texte Sichtbarkeit und Aufklärung. In jener Weise, dass plötzlich Betroffene ihre Erlebnisse teilen. Durch dieses Teilen ermutigen sie automatisch Andere, es ihnen ebenso gleichzutun – wodurch dann wiederum ein Schneeballeffekt entsteht.

Die Botschaft dieses Schneeballeffekts an die Öffentlichkeit ist: Das Schweigen und das Runterschlucken sind für immer vorbei. Das ist gut so.

Denn das erinnert an das Jahr 2017. Die ­damalige „#metoo“-Bewegung. Eine Welle vieler Frauen sowie queerer Personen, die sich erstmals öffentlich zeigten – und Vorwürfe gegen Harvey Weinstein ins Rollen brachten.

„Ikkimel“ ist seit längerem für feministische Texte bekannt – und erfährt hierfür sehr viel Kritik. Weil viele nicht verstehen können oder wollen, dass es gut, gesund und richtig ist, innerlich Belastendes auszusprechen.

Wenn sie in „IDGAF“ „Sperrt die Männer ein“ rappt, meint sie das so. Denn sie spricht Klartext; lässt sich nicht verbiegen… Dies wiederum empowert dann viele junge Frauen, die es ihr gleichtun wollen. Ebenso laut und unangepasst wie sie selbst.

Auch wenn der Hype um „Ikki“ irgendwann vorübergehen wird, sollte er uns eines klarmachen: Wir brauchen um einiges mehr echte ehrliche Menschen in der breiten Öffentlichkeit. Damit dieses Thema, sexualisierte Gewalt, dauerhaft in unser aller öffentlichen Wahrnehmung erhalten bleibt. Nicht eines Tages wieder von der Bildfläche verschwinden kann.

Es ist daher wichtig, mit unseren eigenen Kindern, Enkeln oder auch Freun­d:in­nen über se­xua­lisierte Gewalt zu sprechen. Und, sie so dann auch zu mobilisieren, später, wenn sie groß sind, nicht auf manipulativ tickende Männer reinzufallen. Jene, die echt immer nur das Eine wollen – und die „Ikki“ offen angeprangert hat. Damit auch nach dem Ende des „Ikki“-Trends ihre Botschaft weiterleben kann.

Weitere Informationen

Dieser Artikel stammte ursprünglich von taz.de. Er wurde für „lebenslust-online.de“ ein wenig umgeschrieben und angepasst.

Um mehr darüber zu erfahren, könnt ihr ganz einfach „Who’s that ikki“ in die Suchzeile bei Instagram oder TikTok eingeben.

Hinweis zur Grafik oben: Diese Grafik wurde von einer KI generiert.