Wie ihr sicher wisst, sind Blaubeeren sehr gesund. Sie sind seit einigen Jahren bereits voll im Trend.
Dieser Konsum hat aber auch seine Schattenseiten, die wir nicht sofort erkennen können – weite Transportwege und Wassermangel auf der anderen Seite der Welt!
Viele Importe aus dem Ausland
Blaubeerfrüchte sind inzwischen so beliebt, dass heimische Produzenten nicht mehr hinterherkommen – und, viel Ware aus dem Ausland importieren. Dadurch wiederum ist innerhalb nur weniger Jahre die Produktions- und Verkaufsmenge der Beeren weltweit drastisch gestiegen.
Nur ein Beispiel: 2023/24 kauften Menschen in Deutschland laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BLE) rund 70.000 Tonnen Heidelbeeren – dies sind so in etwa 800 Gramm pro Kopf.
Problematisch daran ist, dass die regionalen Anbauflächen für diese Beeren in den letzten Jahren wesentlich weniger schnell gewachsen sind als ihre Nachfrage. So konnten deutsche Anbaubetriebe im Jahr 2024 nach Angaben von „Utopia“ tatsächlich gerade einmal rund 15.100 Tonnen ernten.
Ein signifikanter Motor sind die Importe, die um einiges deutlicher ausfallen als die hiesige Inlandsproduktion. Innerhalb von zehn Jahren versechsfachte sich demnach die Menge der importierten Heidelbeeren fast – auf in etwa 64.000 Tonnen in 2023.
Heidelbeeren in der peruanischen Wüste
Fast alle Blaubeeren, die bei uns im Handel sind, sind laut „Utopia“ Kulturheidelbeeren – die in der Regel ergiebiger und größer sind als ihre wilden Waldheidelbeer-Brüder. Und, auch maschinell geerntet werden können. Viele dieser Blau- oder auch Heidelbeeren stammen demnach aus europäischen Nachbarländern.
Das wichtigste Exportland der Beeren ist dagegen Peru, das im Nordwesten des südamerikanischen Kontinents liegt. Allein in diesem Land werden laut den offiziellen Zahlen über 20.000 Hektar Blaubeeren angebaut, die insbesondere für den Export vorgesehen sind.
Warum ihr Anbau dort sehr problematisch ist, zeigt das Format „Atlas“ des TV-Senders Funk – in Form eines kurzen Doku-Films. In ihm zu sehen sind Blaubeersträucher, die inmitten einer öden peruanischen Wüstenlandschaft wachsen – auf riesigen Feldern.
Dies ist alles andere als nachhaltig, ressourcenschonend oder umweltfreundlich. Denn um alle Pflanzen überhaupt dort anbauen zu können, muss der Boden künstlich bewässert werden.
„Gigantische Eingriffe in die Natur“
Den Recherchen von „Atlas“ zu Folge stammt dieses Wasser teils aus einem Fluss, der im Ursprung dafür umgeleitet wurde, um fruchtbares Farmland für die Bäuer:innen zu schaffen. Dafür wurde er in den Anden aufgestaut.
Jetzt wiederum fließt er in abgelenkter Form zum Teil in Richtung Atlantik statt in Richtung Osten – konkret, auf der anderen Seite der Anden in Richtung Westen. Im Rahmen einer Doku des SWR wurde diese Information durch einen Sprecher der nationalen Wasserbehörde bestätigt.
ARD-Korrespondent Matthias Ebert bezeichnet diese Form der Bewässerung im Video von „Funk“ als „Gigantische Eingriffe in die Natur“. Kleinbäuer:innen östlich den Anden klagten in Folge von der Fluss-Umleitung über Wassermangel… Im Gegensatz zu dieser Region, die unter den Veränderungen leide, kämen aber auch Menschen aus der neu erschlossenen Region zu Wort, die im Gegensatz zu ihren anderen „Kolleg:innen“ von neu geschaffenen Arbeitsplätzen profitieren.
Wie ein Kleinbauer in der Doku des „SWR“ bemängelt, komme das in Kanäle umgeleitete Wasser vor allem großen Agrarfirmen zugute – während kleinere Farmer:innen immer wieder von ihm abgeschnitten würden.
Blaubeeren aus Südamerika mies fürs Klima
Zu den aufwändigen Anbaubedingungen in wasserarmen Regionen kommt laut „Utopia“ eine durchweg schlechte Klimabilanz. Denn die peruanischen Beeren werden demnach über 10.000 Kilometer auf Schiffen bis nach Europa transportiert. Diese langen Transportwege gehen dann zwangsläufig mit hohem Treibstoffverbrauch einher – der dann wiederum zu hohen klimaschädlichen CO2-Emissionen führt.
Wie die „SWR“-Sendung Marktcheck ergänzt, sind Beeren aus Südamerika für den Transport sehr häufig auch mit Pilzgiften behandelt, die während der rund dreiwöchigen Schiffsreise vermeiden sollen, dass sich Schimmel zwischen allen Beeren breitmachen kann. Redakteur:innen hätten aber auch noch Rückstände von Pestiziden gefunden.
Entwicklung erinnert an Avocado-Boom
All dies erinnert an den Avocado-Boom, der in den 2010er-Jahren stattgefunden hat. Tatsächlich war es damals wirklich ziemlich ähnlich – Gesundheitsversprechen führten zu einem regelrechten Food-Trend, der in Teilen Lateinamerikas massive Probleme mit Wasser verursachte und bis heute anhält.
Ist die Blaubeere also die neue Avocado von heute?
Jein – denn anders als die Avocado kann eine Blaubeere auch überall in Deutschland, Frankreich oder Polen kultiviert werden. Es empfiehlt sich aber laut „Utopia“ in jedem Fall, wie bei der Avocado den Konsum aus umweltlichen Gründen nicht zu sehr zu übertreiben.
Dabei wiederum, auch immer genau auf die Herkunft der Beeren zu achten.
Nur wenn diese „Spielregeln“ befolgt werden, kann die Heidelbeere wirklich jenes „heimisches Superfood„ sein, als das sie gerne hierzulande immer wieder angepriesen wird.
Und wenn ich aber Blaubeeren kaufen will?
Wer die oben beschriebenen Bedingungen nicht weiter unterstützen möchte, braucht auf Blaubeeren trotzdem niemals zu verzichten. Denn, wie bereits geschrieben, werden diese Beeren auch in Deutschland sowie einigen Nachbarländern angebaut. Um die genaue Herkunft der gelieferten Ware bestmöglich zu erkennen, wird empfohlen, bei ihrem Kauf genauer hinzusehen.
Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, Bio-Beeren im Laden zu kaufen. Da deren Anbau Böden und Gewässer schont. Der Fokus auf den heimischen Anbau zwingt uns allerdings auch dazu, die Beeren dann auch wirklich nur inmitten der hiesigen Saison zu kaufen – die in etwa von Juni bis September geht.
Abgesehen davon kann es sich durchaus lohnen, sich nach Anbaubetrieben vor Ort umzusehen. Denn dort darf man vielerorts noch während der Saison – im Hochsommer – Beeren aller Art auch selber pflücken. Vereinzelt findet man unter ihnen dann auch wilde Waldblaubeeren.
Weitere Informationen
Dieser Artikel stammt aus der Webseite utopia.de. Er wurde für „lebenslust-online.de“ ein wenig umgeschrieben und angepasst.
Hinweis zur Grafik oben: Diese Grafik wurde von einer KI generiert.
