Xenia von lebenslust-online.de stellt sich vor!

Meine Geschichte beginnt in frühester Kindheit. Und sie ist bis heute nicht zu Ende.

Damals in der Grundschule saß ich im Sportunterricht immer zwischen Jungs und Mädchen. Warum dies so war, wusste ich noch nicht. Ich merkte nur, dass irgendetwas in meinem Leben einfach nicht stimmte.

Und so saß ich da – in Leggings. Zog meine geliebte Leggings auch im normalen Unterricht an… Davon, dass es so etwas wie transidentes Leben gibt, hatte ich als kleiner Pimpf schlicht noch keine Ahnung. Stattdessen sagte ich mir immer „Ich bin auf der Suche nach dem Schlüssel, um mein eigenes Leben wirklich richtig zu verstehen!“.

Während der Realschulzeit sollte ich anstatt in Leggings in kurzen Schlabber-Sporthosen turnen… Wie ich das gehasst hatte! Dies fühlte sich an wie die Auslöschung und Verleugnung meines eigenen Ichs.

In Folge dessen hatte ich dann heimlich immer wieder Damenwäsche angezogen. An versteckten Orten, wo es keiner sieht.

2011 dann riss ich mir innerhalb gerade mal 2 Tagen meinen kompletten Vollbart aus. Mit einer Pinzette. Der ganze Mist in meinem Gesicht musste weg… Ich hatte mich in Folge dieses Vorfalls über das Internet zum Themenbereich permanente Barthaarentfernung informiert. Und stieß dabei auf eine Webseite transidenter Verhaltensweisen. Damit war der Knoten ganz plötzlich wie von Zauberhand geplatzt – ich war endlich richtig informiert; verstand, was mit mir los war!

Ich 2011, zu Beginn von meiner Transition. Damals noch in Süddeutschland
(Foto: privat)

Vor meinem Coming Out als ich selbst – als Frau – im Jahr 2011 war ich immer unsichtbar. Keiner wollte etwas mit mir komischem Menschen auch nur ansatzweise zu tun haben… Komisch empfand dies selbstverständlich nicht ich – sondern nur viele Andere, mit denen ich zu tun hatte.

Ich war „uncool“.

Nach meinem Coming Out 2011 wendete sich das Blatt.

Ich brach von zu Hause in Süddeutschland aus; beschloss für mich, in Berlin ein neues Leben aufzubauen. MEIN Leben.

Fuhr in einer Nacht-und-Nebel-Aktion 12 Stunden mit dem „Queer-durchs-Land-Ticket“ mit mehrmaligem Umsteigen. Bepackt mit Rollkoffer, Taschen oder einem Rucksack.

In Berlin angekommen, zog ich erst einmal 5 Mal im Jahr 2012 umher, bis ich letzten Endes dann im Dezember 2012 meine heutige Bleibe in Hohenschönhausen fand.

Ich wurde selbstsicherer, verlor zusehends immer stärker die starke Schüchternheit aus meiner Kindheit und Jugendzeit. Ging unter Menschen. Hatte plötzlich keinerlei Probleme mehr, vor anderen Mitmenschen offen zu sprechen. Kämpferische Reden zu halten.

Über meine anfänglichen virtuellen Transgruppen in Facebook war ich vernetzt mit der trans Community Europas. Bot zugleich auch dieser eine Plattform, um auf sich ganz einfach aufmerksam zu machen – oder aber, passende Kontakte während der Transition zu finden.

Ich 2011, zu Beginn von meiner Transition. Damals noch in Süddeutschland
(Foto: privat)

Nach den rechtlichen Regelungen der Vornamens- und Personenstandsänderung, dem Start der ersten Hormoneinnahme von den Östrogenen (weibliche Hormone) und aber auch meiner geschlechtsangleichenden OP gab es eine kurze Unterbrechung dieser sehr aktiven ersten Zeit. In diesem Zeitraum war ich nur sehr wenig draußen. Ich hatte nur noch virtuell Kontakt zu meiner Szene. Sehnte mich nach den vielen Menschen, bei denen ich zuvor noch ein und aus gegangen bin.

Ich war schon vor meiner eigenen OP „angesagt“; erklärte mich daraufhin ganz passend zur „Society Lady“. War dadurch, dass ich immer schon als Frau eine geachtete schillernde Persönlichkeit war, auch mit eine Sehnsuchtsperson sehr vieler Menschen aus der queeren Szene – die meinen Mut, zu mir selbst zu stehen, bewunderten.

Damit war ich ganz plötzlich „cool“.

Mit der Befreiung durch mein Coming Out kamen auch beruflich neue Freiheiten: War ich vorher unsicher, was ich tun sollte – und hatte ständig Angst – stand ich plötzlich voll im Leben: Reden bei Veranstaltungen, Schauspiel in einem Kurzfilm, Aufklärung über transidentes Leben in Social Media. Es gab nichts, was ich nicht getan hätte.

Na ja – eigentlich fast nichts.

In meinen Podcastfolgen „XENIA LIVE!“ rannte ich in deren Rubrik „Xenias Geocaching“ durch Berlin, um gegen die Zeit kryptische Rätsel zu lösen. Im Radio (ALEX Berlin) bin ich schon seit 2019 gern gesehene Moderatorin – habe schon mehrere Redaktionen durchlaufen. Und so journalistisches Know-How gesammelt.

Dieses konnte ich im Fernstudium in der „Wildner Akademie“ dann noch vertiefen.

Während dieses Studiums hatte ich dann wiederum Nicole Roesler kennengelernt. Also genau jene Nicole, die Initiatorin dieser Seite war. Sie alleine hatte mich hier ins Boot geholt.

Ich bin stolz, hier in lebenslust-online.de (vorher „lebenslust.world“) meine transidente Identität mit einbringen zu können. Und zugleich auch, sehen zu können, wie wir immer stärker wachsen… Unser anfängliches Dreier-Frauen-Team zu „lebenslust.world“-Zeiten – Nicole, Janine und ich – war unschlagbar, wenn es um das Erschaffen einer positiven Zukunft geht.

Am Ende kann ich dann mit stolzer Brust behaupten, dass ich an dieser Plattform für Lebenslust mitgearbeitet habe. Und so in sehr vielen Gesichtern für Glitzern in den Augen sorgen, die sich für meine wunderbare Arbeit interessieren.

Auf eine umso bessere Zukunft einer jetzt schon hervorragenden Plattform! „lebenslust-online.de“ tut einfach gut!

A propos: Das Titelfoto ganz zu Beginn innerhalb von diesem Beitrag wurde während einem „Lesben Stammtisch“ an der „Espresso Bar“ des Wochenmarkts Karl-August-Platz in Charlottenburg gemacht, den ich so gut wie jeden Samstag auch besuche. Denn ich bin eine trans Lesbe. (Foto: (C) Lesben Stammtisch Berlin)

Hier oder auch zum Beispiel in der „GayChurch Berlin“ kann ich mich offen zeigen – so, wie ich nun mal bin. Einfach immer weiter die „Society Lady“ sein.

Und Reden schwinge ich immer noch – als Speakerin während den Demos zum „East Pride Berlin“ vor mehreren hundert Zuschauern!

Ich 2023, als Speakerin während des „East Pride Berlin“ auf dem Alexanderplatz. Das schüchterne Mädchen aus Süddeutschland ist nicht mehr zu erkennen
(Foto-Ausschnitt: Xenia Brühl; dieser Ausschnitt in Form eines Fotos entstammte einem Video des „East Pride Berlin“ 2023 von Frank Nerlich)

Mehr zu meiner Person unter https://xeniabruehl.de

Kleine Anmerkung zu diesem Artikel, der ursprünglich noch als „Xenia von lebenslust.world stellt sich vor!“ aus „lebenslust.world“-Zeiten stammte: Er wurde nach dem Tod von Nicole Roesler (im März 2025) wenige Monate später am 17. September 2025 ein ganz klein wenig umgeschrieben und an die neuesten Gegebenheiten angepasst.